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Ich bin eine Außerirdische - 
Ein Beitrag zu meiner Staatsbürgerschaft  
von Irina Mesinga  (Studienkolleg Bonn, G-Kurs,  
Sommersemester 1999) 
 

Ich komme aus Lettland.  Meine Großmutter wurde in Russland geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg kam sie nach Lettland.  Dort wurde meine Mutter geboren. Lettland ist das Heimatland meiner Mutter. Ich bin auch in Lettland geboren, und es ist mein Heimatland. 

In Lettland gibt es zur Staatsbürgerschaft gesetzliche Regelungen, die unglaublich erscheinen.  Im Folgenden möchte ich über meine Erfahrungen damit berichten.  Dann wird der Titel meiner Geschichte verständlich werden. 

In Lettland haben nicht alle Einwohner einen Pass. Ob man einen Pass bekommt, hängt davon ab, welche Blutsverwandtschaft und Herkunft man hat, d. h., ob man lettischer Abstam- mung ist.  Auch wer nicht lettischer Abstammung ist, kann einen Pass bekommen, wenn er schon lange  Zeit in Lettland wohnt.  So hat z.B. meine Mutter die lettische Staatsange- hörigkeit, weil sie in Lettland aufgewachsen ist und die lettische Schule besucht hat.  Aber das Gesetz sagt, daß die Menschen, die auf solche Weise den Pass bekommen haben, ihre Staatsbürgerschaft nicht an ihre Kinder weitergeben können. Das Kind muss selbst erst die lettische Schule besuchen und in seinem Geburtsschein muß stehen, dass es ein Lette ist, dann kann es den lettischen Pass kriegen. Die Menschen, bei denen diese Bedingungen nicht erfüllt sind und  trotzdem den lettischen Pass erhalten wollen, müssen eine Sprachprüfung in Lettisch ablegen und eine Prüfung über Inhalte zur lettischen Geschichte und über die lettische Verfassung.  Mit anderen Worten,  man muss erst eingebürgert werden. 

Ich habe das  nicht gemacht, und zwar nicht aus Faulheit, sondern aus Prinzip. Denn ich gehöre doch diesem Land an, ich bin dort geboren, es war schon das Heimatland für meine Eltern, und es ist auch mein Heimatland.  Ich glaube, dass ich mehr Lettin bin als manche andere, die diesen Pass haben. 

Wegen dieser Situation habe ich bis heute überhaupt keine Staatsangehörig- keit. In meinem Personalausweis steht in Englisch geschrieben: 
"Alien`s passport". 

Anders gesagt, ich bin ein staatsbürger- schaftliches Nichts, fast eine Außer- irdische. 

So hat mich sogar ein Grenzoffizier genannt. Das war auf einer Rückreise aus Prag nach Deutschland.  Es war eine Gruppen-  reise mit dem Bus.  Wir mussten an der Grenze stehenbleiben, um unsere Ausweise zu zeigen. Der Busfahrer sagte, dass wir jetzt wohl ewig warten würden, als der Grenzoffizier kam und nur mich aus dem  Bus aussteigen ließ, um mein Reisedokument zu prüfen. 

Was für riesige Angst ich wegen meines ungewöhnlichen Reisepapiers hatte, könnt ihr euch nicht vorstellen! Ich empfand es auch als Schande, dass die anderen im Bus wegen mir warten mußten. Ich dachte, dass man mich an der Grenze festhalten und nicht mehr weiterlassen würde. Mir war das alles sehr peinlich. Der Grenzsoldat nahm meinen Personalausweiss und als er auf der ersten Seite das Wort "Alien" sah, begann er zu lachen. Er machte noch einen Witz und gab mir ganz ruhig den Ausweis zurückück.  Danach konnten 
wir sofort weiterfahren. 

Um "Alien" zu sein, muss man nicht unbedingt von einem anderen Planet kommen! 

copyright 1999 by Irina Mesinga 


Hallo, liebe Irina! Ich heiße Marina und bin genauso ein Außerirdischer wie du. Was habe ich schon alles zu hören bekommen. In Wiesbadener Stadtverwaltung hat man mich als einen Sonderfall behandelt und überhaupt nichts verstanden, als ich versucht habe zu erklären, warum ich so einen komischen Pass habe. Na ja. Ich bin schon seit fast 6 Jahren hier und hab mich schon an diese Sachen gewöhnt. Ich würde gerne etwas mehr über dich erfahren. Wie alt bist du? Woher genau kommst du? ...Schreib mir also, wenn du Lust hast. Bis dann. Grüße aus Wiesbaden. Marina.
gmiklitz@uni-bonn.de 

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I am an Alien
- A Contribution to the Question of My Citizenship - by Irinia Mesinga,
Studienkolleg Bonn, G-Kurs, Sommersemester 1999)
 
 

I am from Latvia. My grandmother was born in Russia. After the Second
World War she came to Latvia.  My mother was born there.  Latvia
is the native country of my mother. I was born in Latvia, too  and it is also my 
native country.

There are  legal rules to citizenship in Latvia, which appear unbelievable.
I want to report about my experience with it in the following text which will explain the title of my story.

 In Latvia not every inhabitant has a passport.  Whether you receive
a  passport, depends on which ancestors and ethnic origin you have, 
if you are of Latvian origin or not. A person, who is not of Lat-
vian origin, may also get a  passport, if he has been living in Latvia
for a long time. For example, my mother has the Latvian nationality, because 
she attended school in Latvia. But the law says  that people who got 
their passports in such a way may not transfer their citizenship to their children. The children should also attend a Latvian school and should have a birth certificate which says  that they are Latvian, if that is so they may get the Latvian passport. People  who don't meet  these conditions, but want to get the Latvian passport anyway, must take a  Latvian language examination, a Latvian history test and a test about the Latvian constitution. In other words, they must be first naturalized.

I have not done so,  not because I am lazy, but on principle. I belong
already to this country, I was born there, it is the native country of
my parents and it is my native country, too. I believe  that I am more Latvian than many others who possess this country`s passport.

And now , because of this situation, I have no real citizenship at all. On my identity card it reads in English: "Alien's passport". In other words,
I am a legal nothing, practically an ALIEN. That is what a border official calleld me
when I was crossing the border from the Czech Republic to Germany on my way back from a visit to Prague.
I was a with a group of tourists on a bus. We had to stop at the border to show our personal documents. The bus driver said, that we would have to wait for ages when an officer came to me and took my identity card. 

I was very scared because of my strange passport. It was a 
terrible feeling that people in the bus had to wait because of me. I thought  I 
would be left there on the border. It was horrible! The officier took my 
passport and as he saw a word " alien " on the first page, he began to laugh. He joked about it a bit and handed me my passport back. After that we could continue our journey.

In order to be an ALIEN in this world you  need not necessarily come fropm another planet.