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zum Problem der Interferenzen bei bestimmten Lernergruppen - Texte und Unterrichtsfolien zum Herunterladen In den Lerngruppen am Studienkolleg finden sich unter anderem Studierende mit Spanisch und Portugiesisch (Herkunftregion Lateinamerika) und Französisch (Herkunftregion Afrika) als Ausgangssprache. Diese Gruppe von Lernern hat typische Lernschwierigkeiten, für die sprachgruppenspezifische Hilfen angebracht sind. Die hier angesprochenen Lernschwierigkeiten werden üblicherweise mit dem aus der Physik übernommenen Begriff der Interferenz belegt. Abgesehen von der Möglichkeit der Lernerleichterung bei positiver Interferenz (Transferenz) haben wir es meistens zu tun mit der ursächlichen Behinderung beim Erlernen der fremden Sprache durch den linguistischen Code der Muttersprache, durch das bestehende Inventar von Grammatik, Lexik und Phonetik, aber auch durch andersartige mentale und habituelle kulturelle Prägungen. Zum Komplex der Interferenzen hat Harald Weinrich Anfang der achtziger Jahre geschrieben: "Erst wenn die entsprechenden Unterrichtsversuche gut dokumentiert und die in ihnen auftretenden Erscheinungen der Interferenz, Transferenz und des Codewechsels sorgältig analysiert sind, ist daran zu denken, daraus auch Regeln vernünftiger didaktischer Steuerung abzu- leiten."(1) Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen. Besonders dort, wo Sprachen in einer Kontaktsituation zusammentreffen, z. B. in Südtirol, versucht man, auf breiter Basis die typischen Lernschwierigkeiten zu beobachten, die beim Erwerb des Deutschen als Fremdsprache auftreten. Auch in Ungarn gibt es eine Tradition, die fremde Sprache mit ihrer spezifischen Struktur dem Lerner bewußt zu machen. Dies stimmt überein mit dem Grundsatz "Vom Verstehen in der fremden Sprache zur Äußerung."(2), der vor allem für den Spracherwerb des erwachsenen Lerners gilt. Auf die von Psycholinguisten und Spracherwerbsforschern vorgebrachte Kritik und Infragestellung der Interferenz bis hin zu der Hypothese, daß der Erwerbsprozeß durch bestimmte unterrichtliche Hilfen (Grammatikunterricht) überhaupt nicht beschleunigt wird, ist an dieser Stelle kurz hinzuweisen, eine Auseinandersetzung damit würde jedoch den von der Unter- richtspraxis her bestimmten Rahmen sprengen.(3) Für die Bewußtmachung von Strukturen und die Semantisierung gilt nach dem bekannten Prinzip der aufgeklärten Zweisprachigkeit, daß Rückgriffe auf die Muttersprache dem Unterricht zugute kommen können, statt ihn zu behindern.(4) Am Studienkolleg mit vielfältig international zusammengesetzten Lerngruppen ist natürlich ein solches Konzept aus einem ganz praktischen Grund nur schwer anwendbar, da die Unterrichtenden keine umfassende Kenntnis der Ausgangssprachen aller Lerner haben können. Aber man sollte zumindest bereits vorhandene Fremsprachenkenntnisse einbringen und für die Erleichterung des Lernens nutzen. Dazu ist es nötig, den Gedanken- und Informationsaustausch über die Grenzen sprachlicher und kultureller Systeme hinweg anzuregen, und zwar bei Studierenden und Lernenden in gleicher Weise, damit Lernhilfen in großer Zahl gewonnen und für die jeweils kulturell und ausgangssprachlich verschiedenen Lernbedürfnisse entwickelt werden können. Für eine breite Sammlung, Diskussion und Bereitstellung solcher lernerspezifischen Hilfen bieten die neuen Kommunikationstechniken gute Möglichkeiten. Web-Sites auf dem Internet sind eine ideale Plattform für diesen Austausch. Ein Versuch in diese Richtung ist das Internet-Projekt "Lernforum Deutsch" (5) , in dem auch die nachfolgend vorgestellte Reihe von Unterrichtsfolien abrufbar ist. Wie funktioniert diese Kommunikationsplattform? Ein Beispiel
zeigt es. Wer spanischsprachigen Lernern bei der Artikulation der langen
Vokale /ö/ und /ü/ helfen möchte, kann eine Unterrichtsfolie
einsetzen, die auf den PC zu laden und für die Herstellung eigener
Kopien ausdruckbar ist. Es handelt sich hierbei um eine Folie aus einer
Reihe von Übungen und kognitiven Lernhilfen in den Bereichen Phonetik
(6), Lexik und Syntax. (Lerner sowie Lehrende können die Reihe ergänzen,
kommentieren und natürlich kostenlos benutzen. Folgende Folien stehen
z. Zt. zur Verfügung: Die genannte Folie erscheint in mehrfacher Hinsicht ein besonders geeignetes Beispiel zu sein. Ihr Einsatz ist für Lernende und Lehrende nützlich und hilft, ein weit verbreitetes Problem auf sinnvolle Weise zu lösen. Das Erlernen der Artikulation von langem /ö/ und /ü/ muß über den Weg der langen Vokale /e/ und /i/ bei Rundung der Lippen gehen, wobei als taktile Mittel die Finger unterstützend eingesetzt werden. Es wäre falsch, /ö/ und /ü/ über die langen Vokale /o/ und /u/ zu entwickeln, was die Lerner aufgrund der ähnlichen Schreibung irrtümlicherweise gerne versuchen. Mit Hilfe der Folie kann man die kognitive Seite des Lernprozesses gut unterstützen und den unmittelbar erzielten Erfolg sowohl zur Motivation für das bewußte Weiterlernen als auch für die mentale Kontrolle und Schärfung des Diskriminationvermögens bei der Verwendung der fremden Sprache nutzen. Nicht zuletzt zeigt das Beispiel, daß multimediales und daher anschauliches Unterrichtsmaterial im Internet kostengünstig zur Verfügung gestellt und jederzeit abgerufen werden kann.(7) Eine weitere Folie zeigt die Bewußtmachung von grammatischen Strukturen. Bei der Entwicklung von kontrastiv angelegten Hilfen dieser Art kann man auf entsprechende sprachvergleichende Studien zurückgreifen.(8) Abschließend ist auch auf die Notwendigkeit hinzuweisen, außersprachliche, kulturell bedingte Lernhemmnisse, d. h. kulturelle Interferenzen, zwischen Lehrenden und Lernenden zu erörtern und durch den Austausch zwischen den Kulturen neues Potential für eine fruchtbare Lernsituation zu erschließen.(9) Zu diesem Zweck gibt es auf der Web-Site "Lernforum Deutsch" die Veröffentlichung von Beiträgen aus den Herkunftkulturen der Studierenden, Gedichte, Märchen, Reflexionen über kulturelle Aspekte des Deutschlernens und Buchbesprechungen. Die Einbeziehung der Studierenden in die Internet-Arbeit, und zwar in Form eines kleinen Projektes mit der Aufgabe, eigene Beiträge in Form von Homepages ins Netz zu stellen, kann neben der Entwicklung von Medienkompetenz ein besonderer Anreiz sein, Selbständigkeit im Sinne von Lernerautonomie durch Nutzung von Web-Angeboten zu gewinnen. Allerdings müssen noch Anstrengungen unternommen werden, um für die Studierenden aus der Fülle des Internet-Materials didaktische Aufbereitungen in Form von Hypertext-Netzwerkstrukturen zu erstellen.(10) Wenn die genannte Web-Site mit ihren Angeboten weiterhin in dem bisherigen Maße wahrgenommen und gemeinsam ausgebaut wird - z. Zt. fast 10.000 Aufrufe seit Bestehen - darf man sich freuen, weil damit am Rande eines zunehmend kommerzialisierten Internets eine nützliche Nische in der interkulturellen Pädagogik gefüllt wird. Günther Miklitz Anmerkungen: 1 Harald Weinrich, Wege der Sprachkultur, Stuttgart 1995, S. 302 2 Gerhard Neuner u. Hans Hunfeld, Methoden des fremd- sprachlichen Deutschunterrichts - Eine Einführung - Fernstudieneinheit 4, Kassel 1993, S. 106. 3 Vgl. zu dieser Diskussion: Matthew Dallaway, "The Teachability Hypothesis and the Language Learning Classroom" Second Language Research, London, Juli 1996, 12: 3, S. 304 - 318. 4 W. Butzkamm, Psycholinguistik des Fremdsprachenunterrichts. Natürliche Künstlichkeit: Von der Mutterspracher zur Fremdsprache, Tübingen 1986. 5 Günther Miklitz (1998) Internet für Deutschlehrer und Studierende: "Lernforum Deutsch", eine Web-Site für den interkulturellen Dialog. In: Zeitschrift für den Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online], 2 (3), 5 pp. 6 Zur Frage der Auswahl vgl. die Liste von Aussprache- schwierigkeiten bei verschiedenen Ausgangssprachen von Wolf-Dieter Ortmann, Zur Phonetik, in: Gerd Neuner, Deutsch aktiv Neu - Ein Lehrwerk für Erwachsene, Lehrerhandreichungen 1 A, Berlin 1997, S. 37 - 39. 7 An dieser Stelle darf auf den zur Zeit größten deutschen Bildungsserver hingewiesen werden, der zum Teil höchst professionelle Unterrichtsfolien in verschiedenen Fächern bereitstellt: http://www.zum.de/. 8 Als hilfreich hat sich die Untersuchung von Bauer/Wolff, Spanische Lehrer-deutsche Lehrer, Düsseldorf 1977, erwiesen. 9 Vgl. das Internetprojekt am Studienkolleg Bonn im Rahmen der Netd@ys NRW 1998. 10 Dieter Wolff, "Neue Lerntheorien - Neue Aufgaben f. d. Fremdsprachenunterricht" in: Neusprachliche Mitteilungen, 51/4 (1998), S. 97 - 202, S. 199. copyright g.miklitz 1998 (gmiklitz@uni-bonn.de) |
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