| Lernforum Deutsch - Bonn | ||||
|
Dagmar Giersberg, Deutsch unterrichten weltweit.
Ein Handbuch für alle, die im Ausland Deutsch unterrichten wollen"
ist 2004 im W. Bertelsmann Verlag in Bielefeld in vollständig
überarbeiteter Auflage erschienen, aktualisiert und ergänzt. Buchbesprechung:
Dagmar Giersberg, Deutsch unterrichten weltweit, Bielefeld 2002,
232 Seiten, 14,90 Euro Das
Buch „Deutsch unterrichten weltweit“ Eine
Informations- und Orientierungslücke, die bislang für jeden bestand, der
im Ausland Deutsch unterrichten wollte und der keinen einschlägigen
Studiengang in Deutsch als Fremdsprache durchlaufen hatte. Der
Rezensent erinnert sich an drei Vorbereitungen für pädagogische Einsätze
im Ausland: nach Frankreich durch den Pädagogischen Austauschdienst, nach
Spanien durch das Bundesverwaltungsamt und nach China durch den DAAD. Vor
jeder Entsendung war es erneut nötig, sich einen Überblick zu
verschaffen über Ämter, Institutionen, Organisationen und
Materialquellen, mit denen man als Deutschlehrer im Ausland zu tun hat
oder zu tun haben könnte. In China begegnete man sogar vereinzelt
Lektoren, die von Entsendestellen kamen, mit denen man gar nicht gerechnet
hatte. Hätte man als junger Auslandslehrer das nun vorliegende Handbuch
„Deutsch unterrichten weltweit“ zur Verfügung gehabt, wäre manches
schneller und leichter zu haben gewesen. Man
findet in diesem Ratgeber die Aufgaben der verschiedenen
Mittlerorganisationen beschrieben, bekommt relevante Adressen, einschließlich
Web- und E-Mail-Adressen, und man kann sich kurz über finanzielle,
kulturelle und rechtliche Rahmenbedingungen sowie über die ganze Palette
fachlicher Aspekte des Themas Deutsch als Fremdsprache im Ausland
informieren. Im
Internet ist bei Amazon eine Leserrezension veröffentlicht, die besonders
die Adressensammlung von Ministerien, Mittlerorganisationen und Verbänden
kritisiert, da man sie leicht im Internet auffinden könne, zumal in der
jeweils aktuellen Fassung. Dem ist
entgegenzuhalten, dass man nicht immer einen schnellen Internet-Rechner
zur Hand hat und dass es gerade für die Aktiven im Bereich Deutsch als
Fremdsprache im Ausland sehr nützlich sein dürfte, diese Informationen
praktisch gebündelt und übersichtlich jederzeit erreichbar im Bücherregal
zu haben. Um der
Autorin gerecht zu werden, sollte man den Untertitel des Buches lesen: „Ein
Handbuch für alle, die im Ausland Deutsch unterrichten wollen.“ Wer
jedoch den verhältnismäßig neuen Studiengang Deutsch als Fremdsprache
durchlaufen hat, kann vermutlich auf die kurzen Hinweise zu
interkulturellen Differenzen und didaktischen Aspekten verzichten.
Wahrscheinlich verfügt ein solcher Absolvent eines Fachstudium auch schon
über eigene Unterrichtserfahrung im Ausland. Das Buch
aber wendet sich hauptsächlich an diejenigen, die eine erste Orientierung
benötigen. Es darf eben nicht missverstanden werden als ein Handbuch der
Fremdsprachendidaktik für Deutsch als Fremdsprache - DaF. Der
Nicht-Fachmann in dieser Unterrichtskunst findet ein ganzes Kapitel über
die Ausbildung zum DaF-Lehrer und über entsprechende Studiengänge. Es
handelt sich also eindeutig um einen Leitfaden für Novizen der Zunft und
für DaF-Laien, vor allem für solche, die noch nicht recht wissen, ob sie
überhaupt in den Auslandseinsatz gehen wollen. Diese
Leser werden von der Autorin, die selbst durch verschiedene Erfahrungen im
Ausland und bei Mittlerorganisationen ausgewiesen ist, geradezu umworben.
Man spürt die Begeisterung, mit der die schöne und gewiss nicht leichte
Arbeit des Deutschunterrichtens im Ausland schmackhaft gemacht wird. Dabei
kommt es dem gestandenen Deutschlehrer jedoch beim Lesen der Einleitung
des Buches zunächst so vor, als gehe es mit der flotten Apostrophierung
des Lesers etwas allzu sehr in Richtung studentische Redeweise: „Raus
aus dem Land, in dem Sie jeder versteht, in dem Sie sich auskennen – quälende
Langeweile. Raus, raus, raus. Aber wie?“ (S. 9). Aber das steht
sprachlich im Gegensatz zu den Hauptteilen, die in der Formulierung
sachlich, fachlich und stilistisch angemessen erscheinen. – Recht so,
denn es ist doch ein Fachbuch! Kreativ
und ansprechend Formuliertes findet der interessierte Leser an passender
Stelle in den Teilen des Buches, die Erfahrungsberichte von jungen Lehrkräften
bieten, z. B. aus Norwegen, aus Russland, aus Südkorea, aus Polen und aus
Laos. --„Üppiges
Grün, sanfte Hügel, vereinzelte Kokospalmen und um den Flughafen ein
Meer aus Reisfeldern, die sich gleichmäßig wie Wellen im scheinbar
weichen Monsunwind bewegten.“ (S. 189) --„Ich
hatte nicht erwartet, dass man mir aus dem Stegreif Schubertlieder
vorsingen konnte, und auch wenn man Karajan für einen Komponisten hielt,
musste ich im Gegenzug zugeben, nicht einen einzigen koreanischen Musiker,
Schriftsteller oder Künstler zu kennen.“ (S. 93) --
„Andere Sprachen, andere Erfahrungen sind hier selbstverständlicher als
in überwiegend monoethnischen, monolingualen Regionen, in denen ‚das
Andere’ zunächst mal als ‚das Fremde’, zuweilen gar mit
bedrohlichem Beigeschmack, empfunden wird.“ (S. 64) -- „Im
Falle des Spracherwerbs beschränkt man sich weitgehend auf kontrastive
Grammatikschulung und die guten alten Übersetzungsübungen. Außerhalb
des Unterrichts aber beklagt man dann den Bildungs- und Werteverlust unter
den Studenten, die keinen goethischen Faust mehr rezitieren können.“
(S. 34) Damit werden Eindrücke vom Unterrichten in der Fremde vermittelt, von den Herausforderungen, von den Reizen und davon, dass es auch darum geht, sich selbst zu verändern bzw. die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Das bedeutet auch bereit zu sein für die Revision bisheriger Positionen. Kurzum: Das
erste Kapitel des Buches heißt: „Die deutsche Sprache in der Welt“
und eröffnet den Blick auf
eine Reihe von Aspekten. Der
Aspekt ‚Deutsch als Wissenschaftssprache’ mag verdeutlichen, warum dem
Rezensenten ein tiefer gehender Blick in diesem Teil des Buches besser
gefallen hätte: Zwar führt die Autorin unter ihren etwa 30 Buchtipps auf
S. 194 den Titel „Ist Deutsch noch internationale
Wissenschaftssprache?“ von Ulrich Ammon an. Sie
referiert auch zusammenfassend – gleichsam die kritischen Spitzen glättend
– die dort beschriebene Tendenz eines allgemeinen Rückganges der
deutschen Sprache in der Welt (S. 15), ohne jedoch in einer Fußnote die
Quelle zu belegen. Nun gut, es ist eben kein Buch für Wissenschaftler.
– Inhaltlich gesehen wäre Klartext besser wie vom Generalsekretär des
Instituts für Auslandsbeziehungen Kurt-Jürgen
Maaß, der sich ausdrücklich auf Ammon beruft: Deutsch hat keine große
Chance mehr als Wissenschaftssprache, weltweit werden nur noch knapp über
ein Prozent aller naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen in deutscher
Sprache verfasst. „Selbst viele deutsche Literaturwissenschaftler sind
dazu übergegangen, wissenschaftliche Aufsätze auf Englisch zu schreiben,
inzwischen fast fünfzehn Prozent der Veröffentlichungen.“ Ein wichtiger Punkt Ammons sollte dabei auch erwähnt
werden, nämlich die neue Chance für DaF, die er in der Tatsache sieht,
dass Deutsch in vielen Ländern der Welt als zweite Fremdsprache
unterrichtet wird, und zwar nach Englisch. Weiterhin
kommt eine allgemein beklagte Tatsache zur Sprache, dass das Deutsche
immer mehr Entstellungen durch Anglizismen und Deutsch-Englisch-Mischmasch
erfährt. Leider wird dieses
Thema locker abgetan (S. 10). Man möchte gewiss nicht einer Deutschtümelei
das Wort reden, aber in diesem Punkt würde das Eintreten für die
deutsche Sprache jedem Deutsch Unterrichtenden gut anstehen.
Zu diesem Punkt also: Etwas mehr Biss, bitte! Zu dem
ersten Kapitel insgesamt fehlt der Hinweis, dass ein guter Teil der darin
gegebenen Informationen in einschlägigen Veröffentlichungen der
Bundesregierung und des Deutschen Bundestages zur auswärtigen
Kulturpolitik enthalten ist. (Vgl. z. B. Bericht des Deutschen Bundestages
von 1985 zur Stellung der deutschen Sprache in der Welt.) Kommen wir nun zurück auf die
eingangs erwähnte nützliche Funktion des Buches als Ratgeber: Wo gibt es
was für jemanden, der Deutsch als Fremdsprache im Ausland unterrichten möchte:
Fachstudiengänge DaF, Unterrichtsmaterialien, Institutionen? Hier finden Abiturienten, Studierende in
Anfangssemestern, Fachwissenschaftler ohne DaF-Wissen und sonstige
Experten, die Deutsch unterrichten wollen oder gar müssen, die gewünschte
Orientierung. Am Ende
des Buches ist angedeutet, dass es im Ausland auch ein Scheitern geben
kann und dass die Rückkehr dann der Ausweg sei. Hierzu darf angemerkt
werden, dass es zu dem banal klingenden Vorgang der Rückkehr inzwischen
Überlegungen in der Fachliteratur gibt, die man einbeziehen sollte.
Gerade die Rückkehr in die Heimat nach Jahren im Ausland wird von vielen
als Schock erlebt. Die bedeutenden Entsender von Experten wissen, dass
auch die Bewältigung der Rückkehr und die Re-Integration ein Teil des
erfolgreichen Auslandseinsatzes sind. Das Buch
„Deutsch unterrichten weltweit“ wird den angesprochenen Leserkreis
nicht enttäuschen. Es ist ein Muss für alle, die sich einen ersten Überblick
verschaffen wollen. Günther
Miklitz, Bonn Sie
können das Buch hier bei Amazon
bestellen.
|
|