Interview mit PC-Fan Netzkultur: Mailing-Listen Peanuts in der E-Mail
            American E-Mail Peanuts  PC im Klassenzimmer
             

            Der folgende Artikel, obwohl bezogen auf eine
            inzwischen historische Technologie, kann immer
            noch Anregungen für den pädagogischen Einsatz
            von elektronischen Hilfsmitteln geben . Er wird hier in leicht
            veränderter Form  wiedergegeben.
            Erstveröffentlicht in: Praxis des neusprachlichen Unterrichts, Heft 3, 1984,
            S. 284 - 285.



            Günther Miklitz

            Mikro-Computer und Notengebung
             - Ein Erfahrungsbericht

            Nicht nur bei der Errechnung von Note
            durchschnitten und statistischen Übersich-
            ten ist der Taschenrechner im Lehreralltag
            unentbehrlich geworden, sondern auch bei
            der Korrektur von Klassenarbeiten und
            Klausuren, seitdem eine auf 15 Punkt
            verbreiterte Notenskala sowie Notener-
            mittlungen unter Zuhilfenahme von Feh-
            lerindex bzw. Fehlerprozentlisten üblich
            geworden sind. Anstelle eines Taschen-
            rechners wurde ein marktüblicher
            Lap-Top Computer* mit eingebautem
            Mini-Drucker eingesetzt.

            Da nach Festlegung durch die Fachkonfe-
            renz eine schriftliche Lernkontrolle diffe-
            renziert nach Teilleistungsbereichen zu
            bewerten war, kam es zu der folgenden
            Rechenprozedur:
            Zunächst wurde die Teilnote für die for-
            male Leistung (Rechtschreibung und Inter-
            punktion) durch Errechnen des Fehlerin-
            dexes ermittelt: Fehlerindex = Fehlerzahl
            x 100 geteilt durch Wörterzahl. Dann war
            auf der Liste nachzusehen, welche Note
            für den errechneten Fehlerindex zu geben
            ist.
            Danach waren die Noten für Inhalt mit der
            Gewichtung von 40 Prozent der Gesamt-
            note und für Sprache bzw. Ausdruck mit
            20 Prozent, Aufbau bzw. Gliederung mit
            10 Prozent festzusetzen.

            Die anfangs errechnete Fehlerindex-Note
            hatte ein Gewicht von 30 Prozent der
            Gesamtnote. (Die Gewichtung war von
            der Fachkonferenz festgelegt.) Und schließlich
            mußte die Gesamtnote nach den derart
            gewichteten Teilnoten errechnet werden.
            Die Endzensur war dann sowohl als Punk-
            tezahl nach der 15-Punkte-Skala als auch
            als Note nach der bekannten Ausdrucks-
            reihe von ,,sehr gut" bis ,,ungenügend"
            unter die Arbeit zu schreiben.
            Dann mußte man noch das Datum des
            Korrekturtages unter die Schülerarbeit set-
            zen, und je nach pädagogischem Eifer
            pflegte man einen erläuternden Satz zu
            schreiben, wie z.B ,,Gute Überlegungen",
            ,,Leserlicher schreiben!", ,,Absätze ma-
            chen!"

            Das Programmieren der soeben beschriebe-
            nen Routinearbeit geschah in BASIC,
            wobei vorhandene Programmroutinen
            und Versatzstücke hilfreich waren.

            Nach entsprechender Programmierung
            konnte der PC die lästige Kleinarbeit
            nach dem Korrigieren übernehmen.

            Es braucht nur der Schülername eingetippt
            zu werden, und das Gerät verlangt die weitere
            Eingabe von folgenden Daten: Wörterzahl,
            Fehlerzahl, Noten für Inhalt, Aufbau und Sprache
            (Stil, Ausdruck). Danach werden sofort
            Schülername, das Fach, in dem die Arbeit
            geschrieben wurde, die Nummer der Arbeit,
            die Teilnoten, der Fehlerindex, die Endzensur als
            Punktzahl und als herkömmliche Note im
            Wort ausgedruckt. Man kann dann noch
            aus einer frei definierbaren Anzahl und
            Art von Standardkommentaren wählen,
            indem man durch das Eintippen der jewei-
            ligen Kommentarnummer bestimmt, wel-
            cher Satz oder welche Sätze unter die
            Zensur zu drucken sind. Das ganze wird
            dann wie ein Kassenbon unter die Schüler-
            arbeit geheftet und vom Lehrer signiert.

            ***************************
            FACH: DEUTSCH, ARBEIT No. 4
            Peter Müller
            Wörterzahl: 450
            Fehler: 15
            FI: 3.333
            FI-Note: 7 P.
            Sprache: 7 P.
            Inhalt: 8 P.
            Aufbau: 5 P.
            *** 8 Punkte: befriedigend (3) ***
            04.09.84, Bitte deutlicher Schreiben.
            **************************************

            Der Vorteil der elektronischen Korrektur-
            hilfe liegt einmal in einer deutlichen Zeit-
            ersparnis für den Lehrer. Zum anderen
            zeigt der Zensuren-Zettel, der vom Com-
            puter ausgedruckt und dann unter die
            Schülerarbeit geheftet wird, welche Teil-
            noten erreicht wurden und wie die Ge-
            samtnote zustande gekommen ist. Das
            bedeutet mehr Transparenz für den Schü-
            ler.

            Man muß  aber wohl angesichts solcher
            arbeitssparender Korrektur-Elektronik auch
            kritisch nach möglichen pädagogischen
            Schattenseiten fragen. Der individuelle
            Niederschlag der Lehrerpersönlichkeit in
            Form von handschriftlichen Äußerungen
            unter der Schülerarbeit entfällt, der Computer
            druckt ein scheinbares Mehr an Objektivität
            aus und schafft möglicherweise den Eindruck
            von anonymer Distanz zwischen Lehrer und
            Schüler. Dennoch wird der Lehrer, der etwa
            zwei Korrekturfächer hat und unter der Kor-
            rekturlast leidet, noch weiter Ausschau
            halten nach arbeitssparendem elektroni-
            schen Gerät. Die Aussichten sind günstig.
            Der Schritt von der hier skizzierten und
            einmal mit Erfolg und auch zum Wohlge-
            fallen der Schüler praktizierten elektroni-
            schen Benotung bis zur Speicherung der
            einmal eingetippten Daten ist nur gering
            und noch eine Frage der Programmierzeit.
            Man wird sich bald einen statistischen
            Überblick über die Klassenarbeitsergeb-
            nisse aller Klassen und einzelner Schüler
            verschaffen können. Das Notenbuch kann
            ersetzt werden durch elektronische Da-
            teien. Dann ist die Auswertung von
            Schwierigkeitsgraden in bezug auf be-
            stimmte Aufgaben innerhalb einer größe-
            ren Aufgabenzahl einer schriftlichen Lern-
            kontrolle überhaupt kein Problem mehr.
            Die Errechnung von Häufigkeit der Nen-
            nung, der richtigen oder falschen Lösung,
            der Durchschnitte und der Notenvertei-
            lung geschieht dann im Handumdrehen.
            Graphische Darstellungen der Ergebnisse
            werden im Verbund damit eine Selbstver-
            ständlichkeit sein.
             
             

            Anmerkung:
            * Es handelte sich um einen Computer der
            Marke Epson, Modell HX-20.
            Im Grunde kann der hier beschriebene Versuch mit
            jedem gängigen PC nachvollzogen werden.

            Copyright 1998 by G. Miklitz


            g.miklitz@uni-bonn.de            Home