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"Na, endlich!" sagen Michael und Markus aus der Klasse 10 e des Pestalozzi-Gymnasiums
in Idstein (Taunus). Ihre Schule soll Computer bekommen. Dann
kann auch hier die neue Zeit der Computerbil-
dung beginnen. Die Computerbildung ist in Deutschlands Schulen
hauptsächlich Aufgabe des Faches Informatik. Aber auch andere
Fächer sind beteiligt.
Die beiden Schüler aus der zehnten Klasse sind schon lange fit auf den neuen elektronischen Maschinen. In den Computer-Abteilungen der großen Kaufhäuser stehen sie darum auch nicht mehr an den Probiergeräten wie viele andere in ihrem Alter. Über Computerspiele können Michael und Markus nur müde lächeln. Sie programmieren ihre Spiele selbst auf dem eigenen PC zu Hause. Wenn sie alleine sind, reden sie nur noch in Fachausdrücken.
Ein Programm für den Englischlehrer
"Mir tut unser Englischlehrer leid", meinte Michael eines Tages.
"Der muß ja tierisch viel rechnen bei der Korrektur jeder Klassenarbeit.
Komm, wir schreiben ihm mal ein Programm!"
Markus war sofort einverstanden. Und so haben sie in den nächsten
Tagen Variablen dfiniert, INPUT- und PRINT-Befehle geschrieben. Zuletzt
haben sie das 'Listing' 'gecheckt', und fertig was das Notenprogramm.
Markus 'savte' es auf einer Diskette, das heißt, er speicherte
es auf einer kleinen Scheibe, dem Datenträger.
Jetzt braucht der Englischlehrer dem Computer nur ein paar Fragen zu beantworten, und schon wird ein Zettel ausgedruckt. Der sieht aus wie ein Kassen-Bon aus dem Supermarkt und kommt unter die Klassenarbeit:
Datum: 04.09.84
Fach: Englisch
Arbeit: Nr. 3 von Peter Müller
Wörterzahl: 450
Fehler: 15
Fehlerindex*: 3,3 = 7 P.
Stil: 8 P.
Inhalt: 8 P.
Aufbau 8 P.
Summe: 8 Punte
Note: befriedigend (3)
Bitte: Deutlicher schreiben!
* Fehlerindex = Fehlerzahl mal 100 geteilt durch Wörterzahl
Kritik am Einsatz des Computers
Die Computer in den Schulen haben auch Kritiker und Gegner. Einige meinen, daß die vielen Fremdwörter die deutsche Sprache verdürben. Darf man zum Beispiel schreiben: Ich habe das Programm 'gelistet'? Michael und Markus fragten ihren Deutschlehrer. Der fragte die Sprachberatungsstelle des Deutschen Bibliographischen Instituts in Mannheim. Die Sprachforscher dort haben nichts gegen neue Formen wie 'gesavet' und 'gelistet'.
Aber es gibt nicht nur Sprachprobleme. Manche Lehrer befürchten,
daß die Kinder bald nur noch mit Computern reden und dabei das schöpferische,
fantasievolle Sprechen mit einem menschlichen Partner verlernen.
Einige Schüler sehen in dem Kassenbon unter der Klassenarbeit den
ersten Schritt zum Daten-Staat. "Wo bleibt da noch das Persönliche,
das Menschliche?" fragen sie. "Wenn unsere Lehrer heute alles in den Computer
tippen, dann können morgen vielleicht schon alle Daten in einen Großrechner
gelangen und dort für immer bleiben." Einer hat sogar schon
Angst um seine Altersversorgung: "Vielleicht wird später meine Rente
danach berechnet, welche Leistungspunkte ich im Fach Religion hatte!"
(Erstveröffentlichung in: "Jugendscala, Heft Juni/August 1985,
S. 8 f.)
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