| PC im Klassenzimmer | Netzkultur: Mailing-Listen | Peanuts in der E-Mail |
| American E-Mail Peanuts | Lap-Top u.Noten 1985 |
Interview mit einem Computer-Fan: "Am Anfang fast computersüchtig"
Michael, dein Hobby ist der Computer, und du bist schon mit siebzehn Jahren ein halber Experte. Wann hast du mit deinem Hobby angefangen?
Mit 14 Jahren. Ich hatte gerade zur Konfirmationsfeier
von Tanten und Onkeln Geld bekommen und konnte von einem Nachbarn einen
alten Computer billig kaufen.
Was hast du dann mit dem Gerät gemacht?
Michael: Ich habe zuerst einmal die Programmiersprache BASIC gelernt. Und ich habe viel gespielt, am liebsten ein Spiel namens Hangman". Zuerst war ich fast computersüchtig. Jede freue Minute hing ich vor dem Bildschirm. Heute ist mir die Zeit dazu viel zu schade. Kleine Programme in BASIC zu schreiben macht mir viel Spaß. Es ist logisch, und man sieht ganz genau, wie man durch logisches Planen Erfolg hat.
Du hast jetzt einen neuen Computer mit einem größeren Speicher und mit einem schnelleren Prozessor. Was machst du damit?
Michael: Lernen und arbeiten. Ich möchte gerne Computerfachmann werden. Das weiß ich schon seit dem 8. Schuljahr. Am besten wäre eine Mischung von Hardware-Techniker und Software-Experte. Außerdem macht es Spaß, mit dem Computer bestimmte Arbeiten leichter zu machen. Ich habe zum Beispiel ein Vokabellernprogramm, ein Verzeichnis fürm meine Schallplattensammlung, ein kleines Lexikon, und ich kann Mathematik-Aufgaben aus der Schule lösen.
Was sind deine nächsten Pläne?
Michael: Mich fasziniert das Thema Musik und Computer. Ich möchte den Rechner über Sensoren mit meiner Gitarre verbinden. Das Programm kann dann über den Bildschirm Gitarrenunterricht geben. Mit einem anderen Programm möchte ich gerne Musikstücke variieren.
Hast du schon einmal ein Programm geschrieben, das anderen die Arbeit leichter macht?
Michael: Ja, für meinen Vater. Er ist Verkaufsleiter. Mit meinem Programm kann er jetzt seine Preise und Rabatte kalkulieren.
Was hältst du von Computern in der Schule?
Michael: Bei uns gibt es eine Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag (3 Stunden die Woche). Aber für mich ist das langweilig. Man kann dort nur BASIC lernen, und das kann ich schon. Ich finde, daß BASIC in der Schule nicht viel bringt. Es ist nicht logisch genug. Ich würde gerne PASCAL lernen, aber diese Computersprache gibt es erst in der Oberstufe.
Können deine Klassenkameraden in der Arbeitsgemeinschaft etwas lernen?
Michael: Auf jeden Fall. In Zukunft muß jeder mit einem Computer umgehen können. Es ist gut, wenn man das schon in der Schule lernt. Man sollte verstehen, wie ein Computer arbeitet. Und man sollte auch schon früh die Gefahren und Vorteile kennenlernen.
Welche Gefahren?
Michael: Wenn man computersüchtig wird, kann man den Kontakt zu anderen Leuten verlieren.
Hat der Computer dein Leben verändert?
Michael: Ich glaube nicht. Ich bin noch genauso romantisch wie früher. Ich mache gerne Musik, und privat bin ich mehr unlogisch als logisch.
Wie gefällt deinen Klassenkameraden der Computer-Unterricht?
Michael: Nach der ersten Begeisterung wird es für die Hälfte der Klasse langweilig.
Woran liegt das?
Michael: Es ist wie in der Mathematik. Wenn es schwerer wird, verlieren viele die Lust, weil sie nicht mehr alles verstehen.
Wird man in Mathe besser, wenn man zu Hause einen Computer hat?
Michael: Nein, das kann man nicht sagen. Wer zum Beispiel nur Computerspiele macht, der lernt nichts.
Danke für dieses Gespräch.
(Erstveröffentlichung in: "Jugendscala, Heft Juni/August 1985, S. 9.)
Copyright 1998 by G. Miklitz, e-mail: gmiklitz@uni-bonn.de